Le Biancane, das Teufelstal

Im Hinterland der Etrusker Küste gelangt man in eine utopistisch anmutende Landschaft. Stahlröhren durchziehen die Gegend und überall steigen heisse Dämpfe aus der Erde.

Kühltürme werden so gut wie möglich unauffällig platziert. Atomkraftwerke? Weit gefehlt.

Gehen wir auf die Zeitreise:

In der Gegend von Monterotondo Marittimo bis nach Lardarello wird „grüne“ Energie gewonnen. Die Geothermik hat schon lange Einzug gehalten. Hier werden natürliche unterirdische heisse Dampfbecken angebohrt und somit ca. 70 % der nötigen Energie für die Provinz Grosseto produziert. Heizungen, Schwimmbäder, Treibhäuser werden mit Strom versorgt. Die Umwelt bleibt dabei sauber. Seit der Antike wird die sekundär vulkanische Energie genutzt. Etrusker und Römer badeten in den damals noch oberirdischen heissen Quellen, im Mittelalter liess sich der Dichter Dante Alighieri von den heissen aufsteigenden Schwefeldämpfen inspirieren, vermutlich für einen Teil der „Göttlichen Komödie“, die „Hölle“ . Das Tal bei Lardarello ist das Teufelstal, das Valle del Diavolo.

Im 18.Jh. entdeckt Francesco Höfer, Apotheker im Grossherzogtum Toskana ,Borsäure im Wasser der Lagoni“ (warmen Seen). Es wurde für pharmazeutische Zwecke genutzt. Noch heute braucht man z.B. Borotalco (Puder) Mitte 19. Jh. baute der französische Industrielle De Lardarel die Borsäure bei Lardarello industriell ab und gründete gleich ein Industrieort: Ladarello. Dass Produkt wurde zum Emaillieren und für die Glasherstellung genutzt.

Anfangs 20. Jh. gelang es Fürst Ginori-Conti die Dampfkraft in Stromenergie umzuwandeln und schon 10 Jahre später wurde die 1. Zentrale in Betrieb genommen. Die Kühltürme waren aus Holz!

Vor dem 2. Weltkrieg baute man die ersten Beton Kühltürme zu den Zentralen. Viele wurden im 2. Weltkrieg zerstört, ach dem Krieg wieder aufgebaut und heute schon wieder neueren ästhetisch schöneren, kleineren, effizienteren Türmen gewichen.

Die geothermischen Zentralen um Monterotondo versorgen heute ca. 70% der nötigen Energie für die Provinz Grosseto – die Flora hat sich der „sauren“ Gegend angepasst und die heissen Dämpfe haben Teile davon in eine „Mondlandschaft“ verwandelt. Warum nicht mal auf den Jahrtausend alten Spuren der sekundär vulkanischen Landschaft wandeln! Ein Tag in den Biancane bei Monterotondo und im Teufelstal ist eine ganz besondere „Energie“- Reise von vorgeschichtlicher Zeit über die Antike bis ins Heute.

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